Der Ehevertrag

EhevertragWenn man sich gerade verlobt hat und sich auf seine Hochzeit freut, so liegt das ganze gemeinsame Leben vor einem. Und in dieser Situation denken viele Paare nicht im Traum daran, über so etwas Profanes wie einen möglichen Ehevertrag nach zu denken. Zudem wird die Frage vom anderen Partner oft nicht gut aufgenommen, fühlt er sich doch in vielen Fällen gekränkt. Man liebt sich, man will das Leben miteinander teilen – warum jetzt diese Fragen nach Mein und Dein?

 

Der richtige Zeitpunkt für den Abschluss eines Ehevertrages

In den meisten Fällen ist es am günstigsten, wenn man den Ehevertrag schon vor Beginn der Ehe abschließt, aber das ist kein Muss. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch das Vermögen eines jungen Paares häufig geringer als etliche Jahre später, so dass die Gebühren zu diesem Termin am niedrigsten liegen dürften.

Es ist anzuraten, den Ehevertrag in gewissen Zeitabständen zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern, da sich ja auch die Lebenssituation des Paares im Lauf der Zeit ändert, zum Beispiel, wenn sich Nachwuchs einstellt. Die Kosten für eine Änderung des Vertrages erfragt man am besten vorher beim Notar seiner Wahl.

Gründe für einen Ehevertrag

Viele bedenken dabei jedoch nicht, dass der Wunsch nach einem Ehevertrag nichts damit zu tun haben muss, dass man sein Hab und Gut nicht mit dem anderen teilen möchte. Denn es gibt bestimmte Situationen und Themen, bei denen man sehr wohl über einen Ehevertrag nachdenken sollte.

  • Ein Partner ist Selbstständiger oder Unternehmer

  • In so einer Konstellation kann es sinnvoll sein, das eheliche Vermögen des anderen Partners zu schützen. So haben im Falle eines geschäftlichen Misserfolges die Gläubiger keinen Zugriff darauf.
  • Ehevertrag aus erbrechtlichen Gründen

  • Ein Ehevertrag kann auch dabei hilfreich sein, den Partner im Sterbefall abzusichern. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn schon Kinder aus früheren Ehen vorhanden sind, die im Erbfall gesetzliche Ansprüche haben.
  • Ehevertrag für den Fall der Scheidung

  • Natürlich denkt man nicht an Scheidung, ehe man überhaupt geheiratet hat, aber auf der anderen Seite kann man die aktuellen Realitäten auch nicht negieren. Trotz großer Liebe und bester Vorsätze wird in Deutschland mehr als jede zweite Ehe wieder geschieden, und das oft schon nach ein paar Jahren. Man wünscht es sich nicht, man glaubt, dass dies einem selbst nicht passiert, aber deshalb muss man ja trotzdem nicht den Kopf in den Sand stecken.
  • Sehr unterschiedliche Vermögensverhältnisse

  • Auch diese Situation macht es empfehlenswert, über einen Ehevertrag nach zu denken. Besonders dann, wenn es sich um ererbtes Familienvermögen handelt und noch weitere Anwärter vorhanden sind, kann ein Ehevertrag böses Blut vermeiden helfen.

Da ein Ehevertrag ohnehin notariell beglaubigt werden muss, kann man sich von diesem Experten beraten lassen, welcher Güterstand für die aktuelle Situation der beste ist und welche Zusatzregelungen eventuell getroffen werden sollten.

Regelungen in einem Ehevertrag

Der Ehevertrag dient hauptsächlich dazu, drei große Themenbereiche zu regeln.

  • Der Güterstand

  • Der Güterstand legt fest, wie mit dem vor der Heirat vorhandenen Vermögen und dem während der Ehe erworbenen Vermögen im Falle einer Scheidung umgegangen wird. Ohne Ehevertrag ist der Güterstand der Zugewinngemeinschaft gesetzlicher Standard. Bei dieser Form wird im Falle einer Scheidung das Vermögen aufgeteilt, welches im Laufe der Ehe hinzu gewonnen wurde.
  • Bei der Gütertrennung bleiben beide Vermögen vor, während und nach der Ehe vollständig getrennt, es findet auch bei einer Scheidung keinerlei Ausgleich statt (das bezieht sich nicht auf etwaige Unterhaltsansprüche). Das Gegenteil ist bei der Gütergemeinschaft der Fall; hier gehört nach der Heirat beiden Ehepartnern das gesamte Vermögen gemeinschaftlich.
  • Alle drei Güterstände lassen sich durch zusätzliche Regelungen so modifizieren, dass die aktuelle Situation des Paares perfekt abgedeckt wird – deshalb ist eine gründliche Beratung auf jeden Fall empfehlenswert.
  • Der Versorgungsausgleich

  • Dieser Punkt besagt, dass nach einer Scheidung die Anwartschaften auf Renten beider Ehepartner ausgeglichen werden sollen, wenn große Unterschiede bestehen. Dieser Ausgleich kann in einem Ehevertrag ausgeschlossen oder genauer geregelt werden.
  • Der Unterhalt

  • Hier sind in gewissem Maße Modifizierungen der gesetzlichen Vorschriften möglich, welcher Unterhalt im Scheidungsfall an den Ehepartner zu zahlen ist. Diese Regelungen sind im Einzelfall auch recht kompliziert, so dass sich auch hier eine kompetente Beratung empfiehlt.

Kosten eines Ehevertrages

Ein Ehevertrag muss notariell beglaubigt werden, damit er Gültigkeit erlangt. Deshalb setzen sich die Kosten für einen Ehevertrag aus zwei Kostenblöcken zusammen:

  • Beratungskosten

  • Bevor der Vertrag abgefasst wird, empfiehlt es sich, sich durch einen Fachanwalt oder einen Notar umfassend beraten zu lassen. Der Experte kann Ihnen alle möglichen Bestimmungen genau erklären und Ihnen passende Vorschläge für konkrete Regelungen machen. Die Kosten berechnen sich dabei nach der Dauer und dem Umfang der Beratung und den Gebührensätzen des Anwaltes; Sie können mit bis zu 1.500 Euro für diese Leistung rechnen.
  • Notariatskosten

  • Die Berechnung der Notariatskosten erfolgt auf einer völlig anderen Grundlage: Diese werden nämlich gemäß dem zugrundeliegenden Vermögen berechnet. Die Sätze dafür sind wieder in Gebührenordnungen fest gelegt. Bei einem Vermögen von 20.000 Euro fallen so etwa 250 Euro an. Beträgt das Vermögen jedoch schon 250.000 Euro, so sind etwa 1.100 Euro an Gebühren an den Notar zu zahlen.

Die Liebe ist groß, aber die Vernunft hat auch ihre Berechtigung. Daher ist es am schönsten, wenn sie Hand in Hand gehen und die für das Paar optimale Lösung finden. Das Thema Ehevertrag sollte deshalb für Sie kein Tabu sein, sondern ein nützliches Werkzeug, das schon im Vorfeld knifflige Fragen elegant lösen kann.