Minderjährig Heiraten

Siebzehn Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir – so sang schon Udo Jürgens in den sechziger Jahren. Gerade bei Teenagern kann die erste Liebe als die große Liebe wahrgenommen werden, und es erscheint undenkbar, dass man nicht mit diesem Partner den Rest seines Lebens verbringen möchte.

Ist eine Heirat in diesem jungen Alter sinnvoll?

Allerdings ist man mit siebzehn Jahren noch am Anfang seiner Entwicklung zum erwachsenen Menschen. Und gerade in diesem Alter erfolgen Änderungen an der Persönlichkeit gravierend und rapide, so dass es mit der großen Liebe dann doch schnell vorbei sein kann. Daher sollte man sich diesen Entschluss sicher sehr gut überlegen.
Besonders dann, wenn man katholisch und gläubig ist, ist dieser Schritt in diesem jungen Alter sehr zu überlegen. Denn die katholische Kirche erlaubt keine Scheidungen, so dass man – sollte die Ehe zerbrechen – nie wieder mit dem Segen der Kirche einen anderen Partner heiraten kann. Und für einen gläubigen Menschen kann das eine schwere seelische Belastung darstellen.

Die Rechtslage: Voraussetzungen

Wedding Rings On Mallet In CourtroomIn Deutschland ist man grundsätzlich erst mit achtzehn Jahren ehemündig, also mit Eintritt der Volljährigkeit, wie es im §1303 des Bürgerlichen Gesetzbuches festgelegt ist. Das Gesetz erlaubt jedoch Ausnahmen: so kann sogar schon mit sechzehn Jahren geheiratet werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.
Die erste Voraussetzung ist, dass einer der Partner volljährig sein muss – eine Ehe zwischen zwei Minderjährigen ist daher nicht erlaubt. Ist diese Voraussetzung erfüllt, benötigt man vom Familiengericht eine Ehemündigkeitsbescheinigung für den minderjährigen Partner, die die Ausnahme von diesem Gesetz erlaubt.
Das Gericht beurteilt vor der Erteilung dieser Bescheinigung, ob einerseits triftige Gründe für eine Eheschließung vorliegen, wie das eine Schwangerschaft sein kann, und andererseits, ob Chancen darauf bestehen, dass die Ehe auch Bestand haben wird.
Zweifel daran können beim Gericht zum Beispiel dann entstehen, wenn zwischen den Partnern ein sehr großer Altersunterschied besteht, keine wirtschaftliche Grundlage für das Eheleben vorhanden ist oder ein Partner aus einem gänzlich anderen Kulturkreis kommt. Sind am Bestand der Ehe jedoch keine Zweifel vorhanden und liegen ausreichend triftige Gründe vor, dann muss das Familiengericht die Erlaubnis erteilen.
Grundsätzlich sollte natürlich auch noch eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten in die Heirat vorliegen. Ist dies nicht der Fall, so gilt die Entscheidung des Familiengerichts, selbst gegen den Willen der Eltern. Wenn diese keine triftigen Gründe aufzeigen, dass die Heirat dem Wohl ihres Kindes entgegen steht, so wird ihr Einspruch nicht berücksichtigt.