Steuerklassen nach der Hochzeit

Eine Heirat ist nicht nur ein emotionaler oder gesellschaftlicher Akt, mit dem man sich auch äußerlich zu dem gewählten Partner bekennt, sondern sie ist auch ein Schritt, der rechtliche Folgen hat. Diese rechtlichen Folgen beziehen sich auch auf das Steuerrecht, denn mit der Heirat ändern sich auch die Steuerklassen des Paares.

Steuerklassen in der BRD

In der BRD gibt es fünf Steuerklassen, die für unterschiedliche Familienstände vorgesehen sind.

  • Steuerklasse I

  • Die Steuerklasse I erhält automatisch jeder kinderlose Single – eine Auswahlmöglichkeit besteht hier nicht.
  • Steuerklasse II

  • Die Steuerklasse II ist den Singles mit Nachwuchs vorbehalten.
  • Steuerklasse III

  • Diese Steuerklasse ist vorgeschrieben, wenn nur ein Ehepartner arbeitet, oder für einen Ehepartner, wenn beide arbeiten.
  • Steuerklasse IV

  • Diese Klasse kann von beiden Ehepartnern gewählt werden, wenn beide arbeiten und annähernd gleich viel verdienen.
  • Steuerklasse IV mit Faktor

  • Bei dieser Eingruppierung werden bei der Steuerlast steuerentlastende Möglichkeiten und die steuermindernde Wirkung beim Ehegattensplitting vorab berücksichtigt. Bei dieser Kombination muss allerdings zwingend eine Einkommenserklärung abgegeben werden.
  • Steuerklasse V

  • Diese Steuerklasse kann in Kombination mit der Steuerklasse III gewählt werden, wenn beide Partner arbeiten, aber deutlich unterschiedliche Einkünfte haben. Sie hat einen höheren Steuersatz als die Steuerklasse III, deshalb wird der geringer verdienende Ehegatte sich für diese Klasse entscheiden.

Auswahl der Steuerklassen

Stempel SteuernWenn nur ein Partner arbeitet, gibt es keine Auswahl, denn dann gilt automatisch die Steuerklasse III, der sogenannte Splittingtarif. Wenn beide arbeiten, sollte man vor der Festlegung der Steuerklassen ein wenig rechnen und heraus finden, welches Einkommen denn nun wirklich höher ist.

Viele Paare wissen nicht, dass man bei dieser Berechnung sämtliche Einkünfte berücksichtigen muss, auch die aus Kapitalanlagen oder der Vermietung von Hauseigentum. Denn nicht nur die Einkünfte aus der Arbeit fließen in die Berechnung mit ein, sondern jegliche steuerpflichtigen Einkünfte. Daher kann es sein, dass ein Ehepartner zwar weniger Gehalt bekommt, insgesamt aber höhere Einkünfte als der Gatte hat, da Einkünfte aus Vermietung dazu kommen.

Bei der Auswahl der Steuerklasse für Ehegatten gilt die Faustregel, dass der besser Verdienende die Steuerklasse III wählen sollte – der Unterschied sollte dabei mindestens bei einer Verteilung von 60 zu 40 liegen (ein Gatte trägt 60 Prozent zum gemeinsamen Einkommen bei, der andere 40). Da sich die Situation bei Ehepaaren aber schnell einmal ändern kann, hat das Ehepaar einmal pro Jahr die Gelegenheit (Stichtag ist der 30. November), die Steuerklassen wieder zu wechseln, um sie der neuen Situation anzupassen. Auf jeden Fall müssen nach der Heirat die neuen Steuerklassen in die Lohnsteuerkarte eingetragen werden.